Inklusion. Chancengleichheit. Teilhabe.

Das sind Begriffe, die in der Hohen Politik gerne verwendet werden. Gerade wenn es um Kinder und Familien geht, wird öffentlich betont, wie wichtig soziale Verantwortung und Zusammenhalt seien.

Doch wie viel davon bleibt übrig, wenn eine Familie tatsächlich Hilfe braucht?

Eine St. Veiter Familie hat sich mit einem bewegenden Leserbrief an die Bürgerliste gewandt. Darin schildern die Eltern ihre monatelangen Bemühungen, ihrem Kind trotz Handicap einen inklusiven Schulalltag in St. Veit zu ermöglichen. Frühzeitig wurden Gespräche gesucht, alle betroffenen Stellen kontaktiert, Möglichkeiten ausgelotet und sogar finanzielle Eigenleistungen angeboten. Trotzdem blieb am Ende vor allem eines zurück: Enttäuschung.

Denn während die Familie versucht hat Lösungen zu finden, entstand zunehmend der Eindruck, dass auf Seiten der Gemeindeführung vor allem Zeit verstrichen ist.

Eine Familie kämpft, die Gemeindeführung schweigt

Besonders schwer wiegt in diesem Fall nicht nur das Ergebnis, sondern der Umgang mit den Betroffenen.

Die Familie hat sich vorbereitet, informiert und frühzeitig den Kontakt zur Gemeinde gesucht. Genau dafür gibt es politische Verantwortungsträger. Genau dafür gibt es einen Bürgermeister und einen zuständigen Bildungsgemeinderat.

Doch laut den vorliegenden Informationen blieb genau diese Verantwortung aus.

Der zuständige Bildungsgemeinderat und Vizebürgermeister Jun soll seit Beginn der Semesterferien 2026 keine Antwort mehr gegeben haben. Auch Bürgermeister Fischer blieb über Wochen hinweg eine konkrete Rückmeldung schuldig. Währenddessen lief die Zeit weiter und mit ihr rückte auch der Einschreibestichtag immer näher.

Am Ende musste sich die Familie bei einer anderen Schule anmelden, weil St. Veit offenbar nicht in der Lage war, rechtzeitig eine Lösung zu finden.

Und genau hier endet jedes politische Schönreden.

Denn wenn eine Familie über Monate hinweg um Unterstützung kämpft, Gespräche sucht und Bereitschaft zur Zusammenarbeit zeigt, während von Seiten der Gemeindeführung kaum Antworten kommen, dann ist das kein Kommunikationsproblem mehr. Dann ist das politisches Versagen.

Inklusion darf nicht nur dann gelten, wenn sie bequem ist

Im Leserbrief beschreibt die Familie, dass sehr rasch die Empfehlung ausgesprochen worden sei, das Kind in eine Sonderschule zu schicken. Gleichzeitig entstand offenbar nicht der Eindruck, dass ernsthaft versucht wurde, inklusive Möglichkeiten in St. Veit umzusetzen.

Und genau das macht betroffen.

Denn Inklusion bedeutet nicht, schwierige Situationen möglichst schnell auszulagern. Inklusion bedeutet Verantwortung zu übernehmen. Lösungen zu suchen. Sich mit Herausforderungen auseinanderzusetzen.

Eine Gemeinde zeigt ihren sozialen Charakter nicht bei Festakten, Postwurfsendungen oder politischen Schlagworten. Sie zeigt ihn dort, wo Familien Hilfe brauchen und darauf vertrauen, nicht alleine gelassen zu werden.

Gerade deshalb ist das Verhalten der SPÖ Gemeindeführung in diesem Fall besonders enttäuschend.

Denn ausgerechnet jene Partei, die das „Soziale“ bereits im Namen trägt, hinterlässt hier den Eindruck von Desinteresse, fehlender Kommunikation und mangelndem Engagement.

Für Prestigeprojekte ist Geld da, für ein Kind offenbar nicht?

Noch schwerer nachvollziehbar wird die Situation, wenn man sich ansieht, wofür in St. Veit Geld vorhanden ist.

Für millionenschwere Projekte werden neue Schulden aufgenommen. Laufende Kosten und Zinszahlungen von 30.000 Euro pro Jahr werden akzeptiert. Andere Vorhaben werden trotz angespannter finanzieller Lage umgesetzt.

Doch wenn es um ein Kind mit Unterstützungsbedarf geht, soll plötzlich kein Geld vorhanden sein?

Gerade hier zeigt sich, welche Prioritäten gesetzt werden.

Denn es geht nicht um irgendein Projekt. Es geht um ein Kind. Um Bildung. Um Teilhabe. Um die Chance, gemeinsam mit anderen Kindern den Schulalltag erleben zu dürfen.

Dass ausgerechnet hier keine Lösung zustande gebracht wurde, ist beschämend.

Schweigen statt Verantwortung

Die Bürgerliste hat den Leserbrief sowie die Situation an sämtliche Gemeinderatsfraktionen weitergeleitet und um Stellungnahmen des Bürgermeisters und des Vizebürgermeisters gebeten.

Eine Rückmeldung kam lediglich von der ÖVP, die den Fall zumindest zur Kenntnis nahm. Politisch ändern könne auch sie als Oppositionspartei wenig.

Die Verantwortung liegt nämlich nicht bei der Opposition.

Die Verantwortung liegt bei jener Gemeindeführung, die seit Jahrzenten die politischen Entscheidungen in St. Veit trifft. Die Verantwortung liegt bei Bürgermeister und Vizebürgermeister. Und genau dort blieb man den Betroffenen offenbar Antworten und Lösungen schuldig.

Niemand erwartet Wunder. Niemand erwartet, dass jede Herausforderung sofort gelöst werden kann.

Aber Familien dürfen erwarten, ernst genommen zu werden. Sie dürfen erwarten, dass Gespräche geführt werden. Sie dürfen erwarten, dass Verantwortliche erreichbar sind und sich bemühen.

Und genau dieser Eindruck ist in diesem Fall offenbar verloren gegangen.

Es geht um mehr als einen Einzelfall

Dieser Fall betrifft nicht nur eine Familie.

Er zeigt, wie schnell schöne politische Worte an Glaubwürdigkeit verlieren, wenn konkretes Handeln ausbleibt. Denn echte Inklusion zeigt sich nicht dort, wo alles einfach ist. Sie zeigt sich dort, wo Herausforderungen entstehen.

Umso wichtiger ist es, aus solchen Fällen die richtigen Lehren zu ziehen.

Die betroffene Familie hat trotz allem ausdrücklich die Arbeit des Kindergartens in St. Veit gelobt. Dort hätten Pädagoginnen durch persönliches Engagement und Weiterbildung ermöglicht, dass das Kind die Kindergartenzeit ohne zusätzliche Stützkraft meistern konnte.

Dieses Beispiel zeigt:
Wenn Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und Lösungen zu suchen, dann ist vieles möglich.

Vielleicht sollte genau das ein Vorbild für die Gemeindeführung sein.

Denn eines darf in St. Veit niemals passieren:
Dass Familien am Ende das Gefühl haben, mit ihren Sorgen alleine gelassen zu werden.

Leserbrief